Der Traum vom fremden Alltag: Leben und Arbeiten in Peru

Cusco von oben
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, seinen Alltag hinter sich zu lassen und irgendwo im Ausland, wenigstens zeitweise, ein neues Leben anzufangen? Tipps von einer, die es versucht hat.
Von Nadine Bresinsky
Das wirklich Schöne an Peru ist, dass der eigenen Kreativität nicht wie in Deutschland tausend Regeln im Weg stehen. Auf der anderen Seite dauern die Dinge dort eventuell länger als gewohnt… Aber wer peruanische Kreativität und deutsche Genauigkeit kombinieren kann, hat mit Sicherheit sehr viel Spaß an der Arbeit mit den äußerst aufgeschlossenen und neugierigen Peruanern. Man entdeckt ungeahnte Möglichkeiten und Talente – vor allem an sich selbst!
Die erste und einfachste Möglichkeit sind natürlich Sprachaufenthalte gekoppelt an eine freiwillige Arbeit in einem Sozialprojekt. Viele Sprachschulen, vor allem im schönen Cusco, sind international tätig, so dass eine Organisation vor der Reise möglich ist. Die Arbeit ist auf wenige Stunden in der Woche verteilt und es bleibt einem genügend Zeit, seine Umgebung und die Menschen genau kennen zu lernen.
Eine zweite und äußerst attraktive Möglichkeit bietet der South American Explorers Club. Ganz allgemein im Internet und speziell in jedem Clubhaus (Lima und Cusco) kann man sich über Stellenangebote z.B. in Hotels oder Reiseagenturen informieren. Diese Stellen sind an einen Arbeitsvertrag gebunden, der den Aufenthalt als „arbeitender Tourist“ in Peru legalisiert. Manchmal sucht der Club auch selbst neue Mitarbeiter und so wurde ein Freund von mir überraschend stellvertretender Manager vom Clubhaus in Cusco – ohne besondere Vorkenntnisse!
Für Sprachbegeisterte mit entsprechenden Vorraussetzungen gibt es die Möglichkeit, selbst die eigene Muttersprache zu unterrichten. Besonders gefragt sind natürlich Englisch und Deutsch. Empfehlenswerte Anlaufstellen hierfür sind die Institute ICPNA und Acupari in Cusco.

Der Eingang zu meinem Arbeitsplatz
Wer sich spontan auf seiner Reise ohne langfristigere Verpflichtungen betätigen will, kann seine Arbeitskraft natürlich auch einfach in Bars, Restaurants oder kleineren Läden anbieten. In Touristenzentren wie Cusco hat man hierbei schon allein aufgrund der meist vorhandenen Englischkenntnisse gewonnen. Jeder Geschäftsinhaber freut sich über Mitarbeiter, die Touristen auf freundliche Art und Weise in einen Plausch oder Kauf verwickeln können. Der Knackpunkt an dieser Geschichte ist jedoch, dass man als Tourist ja eben nicht arbeiten darf – eine moralische Abwägung bleibt jedem selbst überlassen.
Obwohl die Lebenshaltungskosten in Peru natürlich wesentlich niedriger sind als bei uns, wird man bei keiner dieser Arbeiten richtig reich – die Gehälter sind eben auch entsprechend geringer. Aber für ein Zimmer mit Küche und Bad (ungefähr 50€ im Monat) reicht es und auch Lebensmittel sind sehr günstig. Um Dinge wie z.B. eine Krankenversicherung muss man sich jedoch selbst kümmern, aber da gibt es in Deutschland ja einige entsprechende Anbieter.
Ich persönlich konnte in Cusco bei einem nun guten Freund als Sekretärin in seiner Reiseagentur anfangen – Einstellungskriterien: Spanisch und Englisch. Zu meinen Aufgaben gehörte der Verkauf von Touren nach Machu Picchu und Werbung über Bücher und das Internet – so steht diese Reiseagentur nun auch im aktuellen Führer von „Reise Know-How“! Dann kam noch die Arbeit als Kellnerin im dazugehörigen vegetarischen Restaurant dazu, und weil ich so zuverlässig deutsch war hatte ich bald auch die finanzielle Verwaltung des Ganzen unter mir. Steile Karriere in zwei Monaten!
Eine zweite Karriere, die ich mir aufbauen konnte, war die der selbstständigen Kuchenverkäuferin. In Bars und Restaurants waren meine „deutschen Kuchen“ sehr beliebt und auch der Verkauf auf Märkten klappte gut!