Drei Tage im Dschungel – Ausflug in eine andere Welt
Mit einer kleinen Gruppe, geführt von einem Quechua-Indianer, ging es für 3 Tage in den ecuadorianischen Dschungel.

Indianerunterkünfte im ecquadorianischen Dschungel
Von mondentochter
Vom kleinen Örtchen Banos in Ecuador aus wollte ich für ein paar Tage eine Dschungeltour machen und fand bei der Agentur Rainforesttour schnell das passende Angebot: Ich würde am übernächsten Tag mit drei weiteren Touristen und dem erfahrenen Führer Sebastian in den Dschungel gehen. Jetzt fehlte mir nur noch ein geeigneter kleiner Rucksack für die wichtigsten Dinge wie Taschenlampe, Moskitoschutz und Badeanzug.
Ich muss gestehen, ich war schon etwas nervös. Ein großer Bestandteil meiner gesamten Südamerikareise basierte auf dem Wunsch, den Dschungel zu erfahren – und nun war es endlich soweit! Mit vielen Erwartungen und unglaublicher Vorfreude im Bauch wurden wir am ersten Tag zur Communidad Hola Vida („Hallo Leben“) gebracht. Diese Communidad ist eine Gemeinschaft verschiedener Dörfer von Quechua-Indianern, die ihr Land den Touristen öffnen, damit diese etwas über den Dschungel und den Umgang mit ihm lernen können. Unser Führer Sebastian kommt aus einem dieser Dörfer und auf dem Weg erzählte er uns schon einiges über die Zusammenarbeit der Indianer mit den Agenturen und auch über seinen eigenen Werdegang – er hatte unter anderem 2 Jahre in Deutschland studiert!

Hier muss man sich den Weg erstmal bahnen...
In der Communidad angekommen blieb uns nicht viel Zeit zum Umsehen. Gleich tauschten wir unsere Turnschuhe gegen Gummistiefel und ab ging es in’s dichte Grün. Unser Ziel an diesem Nachmittag war ein Wasserfall, ungefähr eine Stunde zu Fuß von der Communidad entfernt. Auf dem Weg dorthin machte uns Sebastian mit den ersten Dschungelpflanzen und ihrem Nutzen bekannt. Es gibt z.B. eine Pflanze, deren Saft man wie eine Nasenspülung zum besseren Riechen verwendet. Ausprobiert – funktioniert! Neben den Pflanzen und einem Bad beim Wasserfall zeigte uns Sebastian auch die Kunst des Lianenerkletterns, ein unglaublicher Spaß! Nach der Rückkehr zogen wir dann in unsere Unterkunft für die nächsten 2 Nächte. Die Indianer haben auf einem Hügel einfache Holzhütten für ihre Gäste erbaut, es gibt sogar eine warme Dusche.
Am nächsten Tag ging es gleich weiter mit unseren Gummistiefeln. Diesmal wanderten wir den ganzen Tag, Ziel war wieder ein Wasserfall. Dieser ist jedoch wesentlich größer und man muss erst durch eine Höhle schwimmen, um ihn zu Gesicht zu bekommen. Der Marsch war für uns Nichtdschungelmenschen alles andere als leicht. Es gab keine Trampelpfade, ab und zu ging es richtig steil runter und dann überall der Matsch! Wir schlidderten von Baum zu Baum – immer mit der Warnung im Hinterkopf, uns nicht an den Stämmen festzuhalten – denn man weiß ja nie wo man hinlangt…! Während wir uns also laut schnaubend abkämpften, bewegte sich Sebastian flink wie ein Wiesel. Doch trotz der Anstrengung hatten wir unheimlich viel Spaß. Sebastian erzählte und zeigte uns so viel über die Pflanzen und Tiere. Zum Beispiel sind Termiten auf der Haut zerrieben ein perfekter Schutz gegen Moskitos, und manche bösen Geister führen einen in die Irre, wenn man Pflanzen mutwillig zerstört. Uraltes Heilwissen und die Mythen seiner Vorfahren breitete er so vor uns aus – ich war tief beeindruckt und auch erschrocken, da ich genau ein solch selbstverständliches Zusammenleben mit der Natur in unserer Kultur vermisse.

Nachts wirds im Dschungel laut
Nach einer Nacht intensiver Träume zum Konzert der nachtaktiven Baumfrösche fuhren wir am letzten Tag in ein kleines Dorf, wo uns die Dorfbewohner mit Chicha (Maisbier), selbstgemachtem Schmuck und unglaublicher Herzlichkeit empfingen. Gerne zeigten die Männer des Dorfes den Männern unseres kleinen Trupps zum Abschluss noch, wie man mit einem Blasrohr umgeht – gar nicht einfach!
Mein Ausflug in diese Welt voller fremder Gerüche und Geräusche hat mich sehr berührt und es stand für mich sofort fest: Ich gehe nochmals in den Dschungel, dann aber für länger!