Machu Picchu und die Magie eines unglaublichen Ortes

Die Terrassen Machu Picchus
Nadine Bresinsky war in der verlorenen Stadt der Inka
Ich bin sehr aufgekratzt, als ich in dunkler Nacht dem ersten Bus des Tages hinauf nach Machu Picchu entgegensehe. Ungefähr 20 Minuten dauert die Fahrt, Spannung kribbelt mir in den Adern. Mit jeder Serpentine rollen die Berge ihre Schatten mehr ein und erhellen schließlich den Eingang der Ruinenstadt. Hinter einer letzten Kurve heißt Machu Picchu dann jeden in all seiner Schönheit willkommen. Von oben blickt man auf die Stadt, eine perfekte Komposition aus Magie, Mystik, Steinen und Natur…
Ich bin verzaubert… Da ist einfach nur Machu Picchu vor mir, dessen Geheimnis unter der Oberfläche aus Steinhaufen und Treppen lebt und dem jeden Tag aufs Neue im Sonnenaufgang Atem eingehaucht wird – genau wie jetzt! Langsam streift eine Hand aus Sonnenlicht die Reste der Nacht davon, belebt alles bis in den letzten Grashalm. Es ist so wunderschön, so erhaben… ich muss einfach hier stehen und schauen! Doch nach ein paar stummen Minuten reiße ich mich vom ersten Anblick los und steige über riesige Steinplatten und Stufen hinab in die Stadt. Durch das niedrige Sonnentor betrete ich Machu Picchu, berühre leicht die Steine. Einmal quer durch die Ruinen laufe ich nun, dem Gipfel des Huayna Picchu entgegen. Nur 400 Menschen täglich dürfen diesen Gipfel oberhalb der Ruinen erklimmen und ich möchte mir den Anblick von oben auf die Stadt nicht entgehen lassen.
Der Aufstieg über eine steile Treppe auf den zuckerhutförmigen Gipfel dauert eine gute Stunde und die Stufen lassen jeden etwas langsamer werden. Teilweise klettert man nur noch über riesige Felsbrocken – da kommt das angebrachte Stahlseil sehr gelegen! Anfangs versteckt sich alles hinter Pflanzen, doch ungefähr ab der Hälfte verschwinden die Büsche und Bäume und geben den Blick frei auf Machu Picchu. Jetzt sieht man erst richtig das gesamte Ausmaß der Anlage mit all ihren Bauten und Terrassenfeldern rundherum. Sagenhaft, wie tief nach unten die Terrassen sich ziehen – es ist doch alles so steil! Der Gipfel des Huayna Picchu ist ebenfalls Standort einer kleinen Befestigungsanlage und irgendwann komme auch ich oben an. Ich ergattere einen Platz auf einem Felsen, von dem aus ich einen unwahrscheinlichen Blick auf die Ruinenstadt unter mir habe. Von oben betrachtet hat Machu Picchu die Form eines Kondor, es sieht unglaublich aus! Im Hintergrund erheben sich weitere Gipfel, wie ein einziges Wellenmeer rauschen mir die dunkelgrünen Berge entgegen.

Ruinen mit geheimnisvoller Ausstrahlung
Der Anblick Machu Picchus verliert auch nach zwei Stunden nichts von seiner Magie, aber es finden sich immer mehr Menschen um mich ein und so gehe ich wieder den Abstieg an. Unten erkunde ich nun endlich die Ecken und Flächen und Häuser und Mauern und Treppen der Inka. Die Stille zwischen den Steinen entführt meine Gedanken, wie haben die Menschen an diesem Ort gelebt? Ob damals schon eine genauso friedliche Atmosphäre herrschte wie heute? Oder gab es hier auch grausame Dinge zu sehen wie Rituale oder Verurteilungen?
Ohne Führer erschließen sich mir einzelne Abschnitte natürlich nicht so genau, doch Wohnbereiche und Ritualbereiche kann ich unterscheiden. Im Vorbeigehen lausche ich anderen Gruppen und dabei erfahre ich, dass alle Häuser durch ihre Anordnung und Ausrichtung den ganzen Tag über von Sonne durchflutet sind. Der Sonnengott Inti war einfach der Höchste aller Götter! Immer wieder lande ich am Rand des Abgrunds und schaue den Terrassenfeldern hinterher. Lamas grasen zwischen den Bauten, Eidechsen geniessen die Wärme der Steine. Auf dem Hauptplatz in der Mitte steht ein alter Baum, er hat die Ruinen über Jahre hinweg begleitet… Trotz der täglichen Touristenscharen bewegt sich Machu Picchu sehr langsam, lässt sich in seiner Jahrhunderte alten Ruhe und Vergessenheit nicht stören. Das macht für mich wohl die größte Magie dieses Ortes aus…